Die Amerikanischen Baustile – Teil 4

Ein Spaziergang durch die Geschichte der amerikanischen Architektur von der Kolonialzeit bis in die Moderne.

Im ersten Teil betrachteten wir die Architektur in den USA ab der europäischen Besiedlung bis 1885, im zweiten Teil stellten wir die Architekturstile von 1880 bis 1950 vor, im dritten Teil die Baustile von 1890 bis in unsere Zeit und in diesem vierten Teil werden wir weitere Baustile in den USA von 1905 bis heute vorstellen.

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Craftsman Style

Craftsman Stil / American Arts and Crafts Movement

Zeit: 1905-1930
Name: Arts and Crafts – dieser Baustil bevorzugt die Verwendung örtlicher Naturmaterialien die durch Handwerker (craftsman) angefertigt wurden
Merkmale: tiefliegendes Satteldach mit tiefen Dachvorsprüngen; sichtbare Sparren und Balken; Veranden mit massiven Pfeiler, schmucklose Vierkantpfosten oder konischen Säulen; Fenster und Türen mit langen senkrechten Scheiben; Holzkonstruktion, der Pfosten oder Grundmauern aber oftmals mit Stein oder Backstein verkleidet ist; natürliche Holzoberfläche; integrierte Holzarbeiten wie z.B. Schränke, Regale, Fensterbänke etc.; erdige Farbtöne

Die Arts and Crafts Bewegung, die als eine Philosophie und künstlerische Bewegung durch William Morris in den frühen 1860er Jahren in England ausgelöst wurde, war eine Reaktion auf die industrielle Revolution. Dieser Gedanke wurde schließlich auch in den USA aufgegriffen als dort die viktorianische Epoche zu Ende ging. Die Arts and Craft Bewegung in den USA teilte die Philosophie der Reformbewegung in England, förderte Originalität, verschmäht maschinell hergestellten Produkte, bevorzugte einfache Formen, die Verwendung lokaler Naturmaterialien, unterstrich die Erkennbarkeit des Handwerks und betont die Schönheit der handgefertigten Naturmaterialien über viktorianischen Exzesse. Anders als in Europa, wo dieser Baustil durch kostenintensive Technik nur für wohlhabende Kundschaft eingesetzt werden konnte, wurden in den USA auch die bescheidenen Häuser der Mittelschicht durch diesen Baustil aufgewertet und es entstand der Craftsman Bungalow Stil. Dieser Bungalow oder Craftsman Bungalow Stil wurde auch besonders durch die Architekten Charles & Henry Greene sowie den Bauplänen und Möbeln des Gustav Stickley’s Handwerker-Magazins ”The Craftsman” populär. In diesem Handwerker Magazin wurde dieser Baustil oftmals auch als “Stick Style” bezeichnet. Der Einfluss des Craftsman Stiles wird am deutlichsten anhand der Bungalowhäuser an der Westküste die von dem kalifornischen Architektenteam Greene und Greene geplant wurden, den Glasleuchten von Louis Comfort Tiffany, Chicago’s Prairie Stil Häusern die von Frank Lloyd Wright entworfen wurden und an der Ostküste durch den Möbelhersteller Gustav Stickley. Die Verwendung natürlicher Materialien gibt diesen Häusern eine organische Atmosphäre wobei der schlichte Baustil durch einen hohen Detaillierungsgrad ausgeglichen wird, um die Funktionalität des Hauses zu verbessern.
Häuser im Craftsman Stil sind kunstvoll geplante Gebäude, die mit natürlichen Materialien gebaut werden und eine warme, gemütliche und ruhige Zuflucht für Familie und Freunde bieten. Diese Häuser können sowohl als ein erschwingliches, kleines Bungalow wie auch als weitläufiges, Luxusanwesen geplant und erbaut werden. Dieser Baustil ist bis in die heutige Zeit in den USA populär.

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Art Deco

Art Moderne

Modernistic (Art Deco & Art Moderne)

Zeit: 1920-1940
Name:  Art Deco – Der Stil hat seinen Namen von der Exposition Internationale des Arts Décoratifs in Paris im Jahre 1925
Merkmale:
Art Deco: Rudimentäre Grundformen des Gebäudes; glatte Stuckfassade mit gekrümmten Wänden; Zickzack- oder andere geometrische Art-Deco-Details, stilisierte florale Muster; Türme oder andere Vorsprünge, welche die Vertikale betonen.
Art Moderne: Rudimentäre Grundformen des Gebäudes; Flachdach, glatte Stuckfassade mit gekrümmten Wänden, horizontale Linien entweder als Nuten, Kerben oder Balustraden, Spiegelglas, Fenster oder Wände mit Glasbausteine; lange Fensterreihen.

Der Modernistic genannte Baustil begann in den 1920ern und unterteilt sich in zwei unterschiedliche, aber sehr nah verwandte Architekturstile – dem Art Deco Stil der 1920er Jahre und dem Architekturstil der eher stromlinienförmigen Art Moderne der 1930er Jahre. Die ‘Modernistic’ Architekturperiode entwickelte sich nach den Zerstörungen des 1. Weltkrieg, sowohl durch den architektonischen Zwang in Bezug auf Gesellschaft wie auch Ästhetik neu durchzustarten, wie auch der Notwendigkeit des schnellen Wiederaufbaus der Industriezentren in Europa und den USA nach dem Krieg. Da die vorherigen Architekturstile meist eine massive und teure Bauweise erforderten, erlaubte nun der “Modernistic” Architekturstil eine schnelle und relativ günstige Bauweise. Beeinflusst war der Architekturstil des Art Deco der 1920er Jahre durch die Kunstströmungen des französischen Kubismus, des niederländischen De Stijl, des russischen Konstruktivismus, des italienischen Futurismus und des deutschen Bauhaus Stils.
Der Börsenkrach im Oktober 1929 kennzeichnet die große Kluft zwischen den 1920er und den 1930er Jahren, und damit auch zwischen den Architekturstilen des amerikanischen modernistischen Designs. Die unterschiedlichen Stimmungen dieser beiden Jahrzehnte beeinflusste die Künste und Architektur in dramatischer Weise. In den 1930ern herrschte im Gegenzug zum vorherigen Art Deco Stil ein grosser Hang zu absoluter Schlichtheit und Strenge, bei der glatte Oberflächen, sowie aerodynamische Formen vorherrschend waren und eine Begeisterung für Geschwindigkeit und futuristische Elemente zum Vorschein kamen – und der Baustil der stromlinien Art Moderne entstand.
Art Deco
Der Art Deco Stil war eine kreative, aber kurzlebige Bewegung, die nicht nur einen Einfluss auf die Architektur der meisten amerikanischen Städten, sondern auch einen starken Einfluss auf Mode, Kunst und Möbel in dieser Zeit hatte.
Art Deco war im Wesentlichen ein funktionelle Geometrie der ZigZag Moderne, die aus Dekorationen bestand. Die Gebäude wurden reich mit Kanten und Flachrelief Design, geometrischen Formen, wie z.B. ZigZag, sowie stilisierten floralen Mustern und stilisierten Sonnenaufgangsmotiven dekoriert. Formen und Dekorationen, die von der Kunst der amerikanischen Indianern inspiriert waren, gehörten dabei zu den Grundlagen des Art-Deco Dekorationsstiles.
Obwohl bei einigen Gebäude Dekorationen in teurer Handarbeit angefertigt wurden, begnügten sich andere repetierende Dekorationen durch maschinell hergestellte Verzierungen einzusetzen. Um die Kosten niedrig zu halten, wurde ornamentales Dekor oftmals nur auf die direkt sichtbaren Gebäudeteile begrenzt.
Der Art Deco Stil war daher ungemein praktisch. Bei Immobilien-Objekten mit knappen Budget konnte eine rudimentäre, schlichte Struktur mit den entsprechenden Dekorationen verschönert und auf den neuesten Stand gebracht werden.
Art Deco-Projekte produzierten eine dynamische Zusammenarbeit zwischen Architekten, Malern, Bildhauern und Designern und führten manchmal zu kompletten Art-Deco-Umgebungen wie z.B. in Old Miami Beach, Florida. Vorwiegend wurde der Art Deco Stil bei öffentlichen und Apartmentgebäuden jedoch eher selten bei privaten Gebäuden eingesetzt.
Art Moderne
Art Deco und Art Moderne hatten viele gemeinsame ästhetische Grundlagen, vor allem die Basis der rudimentären Grundformen. Der Art Moderne Stil legte im Gegensatz zum Art Deco seinen Schwerpunkt jedoch auf eine horizontale Betonung des Gebäudes, durch horizontale Nuten, Kerben und Einschnitte in den Wänden, Flachdächer, und Balustraden. Es wurden abgerundete Kanten statt Winkel eingesetzt und nur sehr wenig Ornamentik. Gebäude im Stil der Art Moderne verwendeten oftmals Glasbausteine als Fenster und es wurden gesamte Wandabschnitte mit Glasbausteinen erbaut. Dieser Stil verwendete zudem gebogenen Wände in dem lange, um die Kurve gehende Fensterreihen eingefügt waren.
Während einem Zeitraum von nur zwanzig Jahren, von 1920 bis 1940, wurde in den USA mit diesem Baustil ein umfangreiches Architekturgut erschaffen, dass sich durch seinen kollektiven Wagemut und Einfallsreichtum auszeichnet. Obwohl viele Gebäude im Modernistic Baustil einen hohen Rang unter den besten Architekturdesigns im 20.Jahrhundert einnehmen, sind sie bisher oft relativ unbekannt, unterschätzt und wurden lange Zeit von Kunstmuseen praktisch übersehen.

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International Style

International Style / Internationer Stil

Zeit: 1925 bis heute
Name: von der Publikation “The International Style, Architecture since 1922”  und MoMA Ausstellung mit dem gleichen Namen in 1932
Merkmale: Flachdach; einfache kubische Formen; grosse, glatte Flächen mit regulärer Textur; klare Linien; keine Dekorationen; freitragende Räume; weite, oft horizontal angeordnete Fensterfronten; asymmetrische Fassade.

Der Namen des Internationalen Stils stammte ursprünglich von der Bezeichnung den Philip C. Johnson und Henry Russel Hitchcock als künstlerischen Begriff für minimalistisch und funktionale Tendenzen der europäischen modernen Architektur der 1920 und 1930 einführten und wurde besonders durch ihr im Jahr 1932 erschienenes Buch “The International Style, Architecture since 1922” geprägt.
Zum ersten Mal wurde dieser Begriff in den USA auch als Titel einer Ausstellung im Museum of Modern Art im Jahr 1932 verwendet, das die bahnbrechenden Arbeiten der europäischen Bauhaus Architekten wie Walter Gropius und Ludwig Mies van der Rohe zeigte. Die Autoren in den folgenden Publikationen mit dem gleichen Titel, suggerierten dass die neue Architektur internationalisiert und von der jeweiligen örtlichen Gegebenheit abgetrennt sei und sich ein neuer Architekturstil entwickelt. In den 1930er Jahren siedelten einige europäische Architekten in die USA um und verbreiteten diesen Stil auch in den USA. Die grösste Blütezeit hatte der Internationale Stil in den späten 1940er sowie den 1950er Jahren. In den 60er Jahren geriet der International Style als soziale und intellektuelle Modeerscheinung in die Kritik. Dieser Baustil wurde zudem auch für die Monotonie der Fassaden, einer zu aggressiven Platzierung in den Städten und wegen funktioneller Mängel kritisiert, ist aber dennoch bis in die heutige Zeit als Baustil präsent.
Der Internationale Stil unterliegt rationalen Kriterien und ist durch Rechtwinkligkeit, asymmetrische Komposition, einfache kubische Formen ohne Ornament und Profil gekennzeichnet, verwendet überwiegend grosse, glatte Wandflächen und horizontal angeordnete Fensterfronten unter Verwendung neuester technischer Errungenschaften wie Eisen-, Glasbau und Eisenbeton.
Vor dem 2.Weltkrieg entstanden die bekanntesten Gebäude dieser Bauart in Kalifornien (z.B. Haus von Richard Neutra) und in den wohlhabenden Gebieten des Nordostens der USA (z.B. New Canaan, Connecticut, Philip Johnsons Glashaus)

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Ranch Style

Ranch / American Ranch, California Ranch, Rambler oder Rancher

Zeit: 1930er bis 1960er Jahre
Name: abgeleitet von Farmhäusern (Ranch) des amerikanischen Südwestens
Merkmale: Ausgedehntes eingeschossiges Einfamilienhaus; breite Querfassade, nach vorn gerichtete, angebaute / integrierte Garage; langgetrecktes, niedriges Satteldach oder Walmdach; weite Dachüberstände; Quergiebel; asymmetrische Fassade; rechteckiger, L- oder U- Grundriss; Wohn- und Schlafbereich getrennt; Glasschiebetüren zur Terrasse; grosse Fenster; Aluminium Fenster; Aussenwände aus Ziegel, Holz oder mit Stuck verputzt; keinerlei Dekorationen, einfaches manchmal rustikales Interieur und Aussendekor.

Der Baustil des Ranch Hauses ist ein Architekturstil der sich zuächst in den USA entwickelt hatte, aber mit steigender Popularität auch in anderen Ländern eingesetzt wurde.
Er vereinigt Einflüsse von Farmhäusern des amerikanischen Südwestens mit modernistischen Ideen um einen eher ungezwungenen, lässigen Wohnstil zu erzielen. Dieser Baustil ist zudem eine Schöpfung der amerikanischen Autokultur. Nachdem Hauseigentümer zunehmend Autos zum Transport einsetzen konnten, begannen sie auf immer grösseren Grundstücken immer weiter voneinander entfernt ihre Immobilien zu bauen.
Der Architekturstil des Ranch Hauses war in der boomenden Nachkriegsmittelklasse von den 1940ern bis in die 1970er Jahre sehr beliebt. Dieser Stil wurde vor allem in ganzen Wohnvierteln, besonders in den westlichen Gebieten der Vereinigten Staaten eingesetzt. Zusammen mit dem Spilt-Level Baustil der 50er und 60er Jahre und dem Holz verschalten Architektenhaus der 1970er und 1980er Jahre war der Ranch Stil eine der dominierenden Architekturstile der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in den USA. Die Popularität des Ranch Hauses sank im späten 20. Jahrhundert als neo-eklektische Architekturbewegungen mit der Rückkehr zu eher historischen und traditionellen Baustilen wieder beliebter wurden. Mittlerweile entsteht eine Gegenbewegung, da jüngere Generationen, die noch nie in einem Haus im Ranch Stil gelebt haben ihr Interesse an Ranch Häusern neu entdecken und begonnen haben Häuser in diesem Baustil renovieren.

Die vorherigen Teile unserer USA Architektur Serie finden Sie hier:
1.Teil – die Architektur ab der europäischen Besiedlung bis 1885
2.Teil – Architekturstile von 1880 bis 1950
3.Teil – Baustile der USA von 1890 bis in unsere Zeit
4.Teil – Architektur von 1905 bis Heute

@Flavia Westerwelle

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